Tipps und Tricks vom Chilifarmer

Hier ein paar Tipps für Leute, die ebenfalls gerne exotische Chili-Sorten züchten wollen. Die Hinweise sind von mir praktisch erprobt, mit dem Ziel, mit möglichst wenig Aufwand einen möglichst guten Erfolg (sprich: Ernte) zu erzielen. Die Vorgehensweise hat sich über einige Jahre hinweg bewährt.

Die besten Voraussetzungen für die erfolgreiche Chili-Zucht

Und so wird's gemacht:

Vorbereitungen

Man benötigt erstmal "funktionierende" Chili-Samen. Am besten man besorgt sich irgendwo eine frische reife Chili zum Ausschlachten. Ich habe meine z.B. am Viktualienmarkt in München erstanden, da gibt es die unterschiedlichsten Sorten von Habaneros bis Pequin. Wichtig ist: Die Chili darf nicht mehr grün, sondern muss rot oder gelb sein. Denn ansonsten ist sie nicht reif, und Samen unreifer Chilis keimen nicht. Samen getrockneter Chilis keimen auch, sofern die Chili beim Trocknen nicht erhitzt wurde. Vergesst eingelegte Chilis, da habt Ihr keine Chance auf Erfolg!

Samen frischer Chilis kann man zur Aufbewahrung trocknen, indem man sie ein paar Tage lang im Zimmer auf einem Küchentuch liegen lässt. Danach kann man sie in Tütchen verpacken oder anderweitig aufbewahren. Die Samen bleiben etwa 3 Jahre lang keimfähig, danach kann man sie entsorgen.

Ihr braucht außerdem Anzuchtgefäße. Man kann hierfür Mini-Blumentöpfe, Pflanzschalen, oder auch leere saubere Joghurtbecher verwenden. Dort kommt die Blumenerde rein. Ich empfehle, nicht zu grobe Billigenerde, sondern hochwertige feine Anzuchterde zu verwenden.

Anzucht

Mit der Anzucht kann man Anfang bis Mitte Februar beginnen. Einige Sorten (z.B. Habanero) brauchen länger von der Blüte bis zur Fruchtreife (ca. 4 Monate). Bei solchen empfiehlt es sich, bereits frühzeitig Anfang Februar auszusäen. Jedoch nicht zu früh beginnen, weil sonst das Tageslicht nicht ausreicht, um die Chilis kräftig wachsen zu lassen! Sie würden dann lang, dünn und schwach werden, es sei denn man setzt künstliches Pflanzenlicht ein. Aber wir wollen den Aufwand ja niedrig halten.

Die Chili-Samen werden in gleichmäßigen Abständen auf eine vorsichtig festgedrückte Anzuchterde gelegt, und dann mit einer etwa 1cm hohen Schicht lockerer Erde bedeckt. Die Töpfe werden dann an einen möglichst warmen Ort gestellt und regelmäßig mit Wasser beträufelt (etwa 1mal am Tag). Die Erde darf nicht ganz austrocknen, aber auch nicht durchnässt sein, da sonst die Samen schimmeln oder verfaulen!


Anzucht auf der Fensterbank

Je nach Sorte dauert es 1-3 Wochen, bis die ersten Pflänzchen aus der Erde gucken. Wenn nach 4 Wochen immer noch nichts keimt, kann man den Versuch als erfolglos werten und das entsprechende Töpfchen kompostieren.
Spätestens wenn Triebe zu sehen sind, ist viel Sonneneinstrahlung notwendig, weil die Pflänzchen sonst lang und dünn wachsen und nicht kräftig genug werden. Weiterhin regelmäßig alle ein bis zwei Tage gießen (aber nicht überschwemmen). Man sollte jetzt auf das Gießen von Unten umstellen, das heißt, spätestens jetzt brauchen die Pflanzen einen Untersetzer oder Übertopf. Während der ganzen Wachstumszeit sollte die Gießmethode möglichst nicht mehr geändert werden.

Pikieren

Sobald die Pflanze das zweite Blattpaar voll entwickelt hat, kann man sie pikieren, um jede Pflanze in ein eigenes Töpfchen zu setzen. Das verhindert, dass die Jungpflanzen miteinander verwurzeln und sich gegenseitig behindern. Man bereitet kleine Blumentöpfe vor, die man mit Anzuchterde (feiner Blumenerde) füllt. In die Erde wird ein Loch gebohrt. Dann wird das Pflänzchen aus der seinem Gefäß geholt, in den neuen Topf gesetzt und die Erde vorsichtig angedrückt. Ich würde empfehlen, die Pflänzchen etwas tiefer (bis unter das untere Blattpaar) einzusetzen, weil sich dann mehr Wurzeln bilden und die Pflanze kräftiger wächst. Nach dem Angießen kommen die Pflanzen wieder zurück an ihren Fensterplatz.

Man sagt, dass die Pflanzenstämme kräftiger wachsen, wenn sie regelmäßig Wind zu spüren bekommen, oder wenn man ein paar Mal am Tag mit der Hand über die Pflänzchen streicht. Dieses Verfahren ist nicht zwingend notwendig, und eher den Chilifanatikern vorbehalten, die entsprechend viel Zeit haben.

Umtopfen

Wenn die Pflanze eine bestimmte Größe erreicht hat, und sich der Wurzelballen im kleinen Töpfchen nicht mehr ausbreiten kann, sollten die Chilis in den endgültigen Pflanztopf umgezogen werden, jedes Pflänzchen in einen eigenen Topf. Ich mache das normalerweise ab einer Höhe von 15-20 cm. Diese Pflanztöpfe sollten einen Durchmesser von mindestens 15 cm haben. Wenn die Bedingungen ideal sind, kann eine Chili-Pflanze über 1 m hoch werden (variiert je nach Sorte). Dafür benötigt sie aber entsprechend Platz für den Wurzelballen, und ein Pflanzgefäß von mindestens 30 cm Durchmesser.

Die Pflanze sollte man im neuen Topf wieder etwas tiefer setzen, dann bildet sie mehr Wurzeln und wächst stabiler. Den Topf füllt man dann wieder mit Blumenerde auf. Ich habe enorm gute Erfahrungen mit spezieller Pflanzerde für Paprika/Tomaten gemacht. Diese ist bereits mit dem richtigen Dünger versetzt, und gibt den Pflanzen in den folgenden Monaten einen regelrechten Wachstumsschub. Außerdem sollte man der Erde einen Tomaten-Langzeitdünger beimischen. Der Dünger fördert Wurzelbildung und Wachstum. Es empfiehlt sich bei Pflanzen, die ins Freie umgezogen werden sollen, die Erde zusätzlich mit Neemgranulat zu versetzen, was die Pflanzen praktisch immun gegen die meisten Schädlinge macht (näheres unten bei Schädlingsbekämpfung). Nach dem Umtopfen muss die Pflanze sorgfältig angegossen werden.


Umgetopfte Pflanzen

Drinnen oder draußen?

Sollte man die Chilipflanzen ins Freie stellen, oder lieber im Zimmer lassen? Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Hat man einen Balkon oder eine Dachterrasse mit viel Sonneneinstrahlung, oder gar einen Garten, kann man die Pflanzen entweder im Kübel nach Draußen stellen, oder direkt in den Garten pflanzen. Dies empfiehlt sich besonders dann, wenn man im Zimmer nicht genügend Platz hat. Die Pflanzen werden draußen insgesamt robuster. Eine Vorbehandlung mit Neem ist dann fast obligatorisch.

Auch im Zimmer können sich Chilipflanzen prächtig entwickeln. Vorraussetzung dafür ist ein sehr heller warmer Raum (ideal: Dachgeschoss mit Südfenstern). Die Pflanzen wachsen schneller und tragen früher Früchte, da die Temperaturen besonders im Frühling höher sind als draußen. Allerdings müssen die Pflanzen manuell bestäubt werden, da im Haus ja weder Wind noch Insekten diese Aufgabe übernehmen können. Probleme mit Schädlingen hat man dafür praktisch keine.


Chilizucht im Zimmer

Umzug ins Freie

Eines ist an der Stelle besonders wichtig: Die Pflanzen müssen vor ihrem Umzug ins Freie langsam an das UV-Licht gewöhnt werden. Selbst wenn sie wochenlang am Fenster in der Sonne gestanden sind, ist das nötig, da Fensterglas 90% des UV-Lichtes herausfiltert. Die plötzliche UV-Einstrahlung im Freien würde die Blätter verbrennen und gelb werden lassen. Am Besten ist es, die Pflanzen an warmen Tagen für etwa 1-4 Stunden (jedes Mal ein bisschen länger) in die Sonne zu stellen. Erst nach dieser Umgewöhnungszeit kann man sie der prallen Sonne aussetzen, denn dort fühlen sich Chilis am wohlsten.

Wenn das Wetter gut genug ist (meistens nach den Eisheiligen Ende Mai), können die Chili-Pflanzen ins Freie gestellt werden. Dafür darf es (besonders nachts) nicht weniger als 10 Grad draußen haben, denn Kälte nehmen einem vor allem die Jungpflanzen übel.

Die Pflanzen benötigen einen sonnigen und warmen Platz. Perfekt - wenn auch nicht zwingend notwendig - ist es, wenn sie an einer Hauswand stehen, die das Sonnenlicht reflektiert. Je mehr Sonne und Hitze, desto besser. Regen in Maßen (nicht in Massen) tut den Pflanzen gut! Man merkt dies sofort and den Blättern, die kräftiger und saftig grün werden.
Pflanzt man die Chili in den Garten, kann bei ausgelaugtem Boden eine Düngerzugabe sinnvoll sein. Man sollte die Chilis nicht direkt neben starkzehrende Pflanzen setzen.


Chilis im Garten

Pflege und Schädlingsbekämpfung

Nun können die Pflanzen also munter vor sich hin wachsen. Damit sie dies auch anständig tun, müssen ein paar einfache Grundregeln berücksichtigt werden:

Die Chilis mögen es warm und feucht. An heißen Sommertagen sollte man die Pflanzen zweimal täglich gießen: Einmal früh und einmal abends. Die Chilis können es auch wenige Tage ohne Gießen aushalten, wenn man sie vorher gut durchnässt hat. Zu oft sollte man die Pflanzen jedoch nicht derart unter Stress setzen, da dadurch das Wachstum gebremst wird.

Es hat sich bewährt, die Chilipflanzen in Übertöpfe zu stellen. Meiner Erfahrung nach bevorzugen es die Chilis, wenn sie von Unten gegossen werden (ab und zu einen Regenschauer von Oben mögen sie trotzdem)! Ich habe auch den Eindruck, dass beim Gießen von Unten auch die Gefahr eines Schädlingsbefalls etwas geringer ist. Außerdem kann man den Übertopf in Ausnahmefällen auch mal als Wasserspeicher nutzen (wenn man mal ein paar Tage weg ist) und kräftig gießen. Die Chilis sollten jedoch nicht regelmäßig im Wasser stehen, da sonst die Wurzeln verfaulen.

Es gibt auch jede Menge Schädlinge, die den Chilis den Garaus machen können. Für die Terminierung der Viecher gibt es die unterschiedlichsten Methoden. Ich empfehle grundsätzlich natürliche Mittel, weil man die Ernte ja schließlich verzehren will, ohne sich dabei zu vergiften.

Zu den bekanntesten gehören die Blattläuse. Die tauchen sogar am Balkon jedes Jahr auf. Bemerkt man den Lausbefall rechtzeitig, kann man die Blätter absuchen und die Dinger mit dem Finger zerquetschen. Das macht man einige Tage lang, was zwar etwas Arbeit macht, aber erfahrungsgemäß hat man dann für den Rest des Sommers seine Ruhe und bleibt zukünftig von Läusen verschont. Ist der Befall schon sehr stark, helfen folgende Tricks recht zuverlässig (die allerdings viel mehr Arbeit machen, als das manuelle Zerquetschen):

Neemöl (Niembaum-Öl), Neem-Granulat
Neemgranulat sollte der Erde vorbeugend beigemischt werden. Es wirkt als Dünger sowie zur Bekämpfung von saugenden und beißenden Insekten, die sich direkt von der Pflanze ernähren (Blattläuse, Milben). Neem-Öl kann verdünnt direkt auf die Pflanze gesprüht werden, um einen vorherrschenden Schädlingsbefall zu bekämpfen. Die Anwendung erfolgt entsprechend der Packungsbeschreibung. P.S.: Neem-Granulat wird in die Erde eingearbeitet und wirkt etwas verzögert, da es von der Pflanze erst aufgenommen werden muss.

Brennesseljauche
Die Behandlung mit Brennesseljauche ist vorbeugend und dient zur Stärkung der Abwehrkräfte der Chili-Pflanze. Zur Herstellung weicht man Brennesseln in Wasser ein (Mischungsverhältnis: ca. 1 kg Brennesseln auf 10 Liter Wasser). Diese Jauche wird einmal täglich umgerührt. Das Zeug beginnt bald mit einer relativ intensiven Geruchsentwicklung. Um diesen Gestank zu mindern, kann man Steinmehl auf die Oberfläche der Brühe streuen. Es dauert etwa 20 Tage, bis die Brennesseljauche einsatzbereit ist. Man erkennt das daran, dass sie klar ist und leicht bräunlich gefärbt. Danach sollte man sie mit einem Deckel verschließen. Die Jauche wird im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt und die Pflanzen werden im Wurzelbereich damit gegossen.

Sind die Blätter angefressen, hat sich irgendwo eine Schnecke oder Raupe versteckt. Die Tierchen können sich hinterhältig gut tarnen, also vor allem die Blattunterseiten gut absuchen und dann den Schädling mit einem gezielten Weitwurf in eine erdnahe Umlaufbahn befördern.

Wachstumsphase

Je nach Sorte wachsen die Chilis unterschiedlich schnell, hoch und buschig. Habaneros z.B. wachsen anfangs sehr langsam, holen dann ab Juli jedoch kräftig auf. Paprika-Sorten schießen meistens recht schnell in die Höhe.

Besonders bei den Chilis der Sorte Capsicum Annuum (z.B. Paprikapflanzen) ist es angeblich wichtig, die sog. Königsblüte abzuschneiden. Das sind die Blüten, die in der ersten Verzweigung der Pflanze (also in der Mitte) entstehen. Das Abzwicken dieser Blüte soll Wachstum und Ernteerfolg der Pflanze fördern.


Blüte einer Vietnam Chili

Ansonsten ist nichts besonderes zu beachten. Die Chilis fangen irgendwann an zu blühen. Bestäubt werden sie von allein durch Wind und Insekten. Nur bei der Zucht im geschlossenen Raum muss manuell bestäubt werden. Dies kann man sehr einfach mit Hilfe eines Wattestäbchens durchführen (einfach mit dem Wattestäbchen über alle Blüten streichen). Erwähnenswert ist nur, dass sich bei der Zucht im Freien unterschiedlicher Sorten zwangsläufig vermischen. Wenn man also unterschiedliche Chili-Sorten anbaut, wachsen zwar die ursprünglich ausgesäten Sorten, aber die aus der Ernte gewonnenen Samen bringen eventuell nicht mehr die Original-Chilis hervor, sondern irgendein Hybrid.


Pequin, die aus den Blüten herausgewachsen sind.

Ernte

Eine Grundregel ist: Chilis sind erst dann reif, wenn sie nicht mehr grün sind. Das gilt für alle Sorten! Man kann natürlich auch grüne Chilis ernten und essen, kein Problem. Auch unreife Chilis sind bereits (sortenabhängig) sehr scharf. Ihr volles Aroma jedoch entfalten sie erst, wenn sie reif sind. Reife Chilis können in allen möglichen Farben auftreten: rot, gelb, schwarz, weiß, etc., aber niemals grün. Der Farbumschlag dauert je nach Chilisorte unterschiedlich lang. Einige Sorte können 2 Monate brauchen, bis sie ihre Reifefarbe annehmen.

Geerntet werden sollte etwa drei Tage nach dem Farbumschlag der Chili-Frucht. Wenn man sie zu lange hängen lässt, wird sie weich.


Geerntete reife Habanero Chili

Aufbewahrung/Verarbeitung

Die Ernte lässt sich auf unterschiedliche Weise aufbewahren oder konservieren. Ich bevorzuge die folgenden Methoden:

Trocknen kleiner nicht-fleischiger Sorten: Die Chilis werden mit einem Faden an einem warmen, trockenen, luftigen und schattigen Ort aufgehängt, bis sie ausgetrocknet sind. Geht nur bei kleineren Sorten. Größere, fleischige Sorten fangen schnell von innen an zu schimmeln, und müssen deshalb im Backofen oder in einem Dörrgerät getrocknet werden.


Luftgetrocknete Minikirsch Paprika

Trocknen größerer fleischiger Sorten: Chilis werden idealerweise in einem Dörrgerät (Empfehlung: Stöckli Dörrex) bei maximal 50 Grad über mehrere Stunden hinweg getrocknet. Trocknen bei höheren Temperaturen (z.B. im Backofen) ist auch möglich, allerdings gehen dann mehr Vitamine verloren, und es besteht die Gefahr, dass die Chilis außen verbrennen und innen noch nicht trocken sind. Bei Backöfen sind niedrige Temperaturen unter 100°C oft nicht genau regelbar, und der Ofen ist meistens zu heiß. Beim Trocknen im Backofen empfiehlt es sich, die Chilis zu halbieren und einen Kochlöffel in die Backofentür zu klemmen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Gut beobachten, um ein Verbrennen zu vermeiden! Tipp: Wer Strom sparen will, kann die Chilis auch in der Nachwärme nach der Backofenbenutzung in die Röhre schieben.


Im Backofen getrocknete Chilis

Chilimühle: Getrocknete Chilis können perfekt mit einer Chilimühle gemahlen und dosiert werden. Achtung, besonders größere Sorten haben oft einen zu hohen Ölgehalt und können die Chilimühle verkleben. Den Ölgehalt kann man gut nach dem Trocknen feststellen (das Öl ist auf der Unterlage sichtbar). Gute Chilimühlen verfügen über ein Vorschneidesystem, mit dem die Schoten grob gehäckselt werden, bevor sie zermahlen werden (Empfehlung: Peugeot Chilimühle Versailles). So kann das Mahlwerk nicht so leicht verstopfen. Bei Chilimühlen ohne Vorschneidesystem müssen die Schoten meistens beim Befüllen grob zerkleinert werden (z.B. mit der Schere).

Einfrieren: Chilis sofort nach der Ernte in einen Gefrierbeutel packen und ab in die Gefriertruhe damit. Gut geeignet zur Aufbewahrung fleischiger Sorten. Nach dem Auftauen sind die Früchte allerdings nicht mehr knackig, sondern eher weich, was dem Geschmack aber keinen Abbruch tut. Tipp: Im gefrorenen Zustand lassen sich die Chilis am besten schneiden!

Verarbeiten: Eine meiner liebsten Methoden ist, die Chilis gleich zu verarbeiten. Entweder frisch geerntet ins Essen oder mit Grillfleisch einlegen, oder Höllensaucen und Chili-Öl herstellen. [Hier ein paar Rezepte]

Überwinterung

Natürlich kann man Chilipflanzen auch beliebig oft überwintern. Die erfolgreich überwinterte Pflanze zeichnet sich im Folgejahr durch kräftigeren Wuchs, frühere Ernte und deutlich besseren Ertrag aus.
Sobald es draußen nachts unter 10 Grad kalt wird (meist ist das gegen Mitte Oktober der Fall), holt man die Chili ins Haus. Die Pflanze muss unbedingt schädlingsfrei sein, denn in trockenen beheizten Räumen vermehren sich Blattläuse und Spinnmilben explosionsartig. Oft verstecken sich die Viecher jedoch in der Erde und sind unauffindbar. Es empfiehlt sich daher, die Pflanze mindestens vier Wochen vor ihrem Umzug mit Neem vorzubehandeln (Granulat oder Pulver in die Pflanzerde einarbeiten). Das ist absolut biologisch, härtet die Pflanze ab und vertreibt Schädlinge. Düngen sollte zu dieser Zeit vermieden werden, da sonst die Pflanze ihre Poren öffnet und besonders anfällig für Schädlinge wird.

Da die Sache mit den Schädlingen immer ein Risiko ist und mir zu viel Arbeit macht, behalte ich die Pflanzen, die überwintert werden sollen, ganzjährig im Zimmer. Das tut der Ernte keinen Abbruch und ich habe keinen Stress mit Schädlingen. Bei einer Indoor-Zucht darf natürlich nicht vergessen werden, dass die Blüten manuell bestäubt werden müssen. Mache ich immer mit einem Kugelschreiber.

Im Herbst kann man einen Rückschnitt vornehmen (muss man aber nicht). Ich schneide sie allein deshalb immer zurück, weil die Pflanzen sonst zu viel Platz wegnehmen. Die Chilis werden im Winter nur mäßig gegossen und nicht gedüngt. Idealerweise überwintert man Chilis windgeschützt bei etwa 10 °C, etwas Licht und nicht zu trockener Luft. Ich überwintere sie jedoch immer in einem normal beheizten Raum am Südfenster ohne jegliche Probleme. Ich habe meist im Winter auch noch etwas Ernte.


Pflanze bekommt neue Seitentriebe nach dem Rückschnitt.

Anfang März wird die Pflanze etwa 10-20cm über der Erde zurückgeschnitten. Dabei lässt man 3-4 Augen stehen, aus denen dann neue Triebe wachsen werden. Wenn man es perfekt machen will, nimmt man die Pflanze aus dem Topf, schneidet den Wurzelballen etwas zurück und füllt mit spezieller Paprika-/Tomatenpflanzerde wieder auf. Ich beschränke mich jedoch meistens darauf, die obere Erdschicht (mit dem Staubsauger) abzutragen und mit frischer Erde aufzufüllen. In die Erde wird Tomaten-Langzeitdünger eingearbeitet. Wegen der verzögerten Wirkung dieses Düngers kann man in den ersten Wochen dem Gießwasser noch passenden Flüssigdünger beimischen (es geht auch in Gießwasser aufgelöstes Blaukorn). Zu beachten ist, dass die Pflanzen anfangs sehr wenig Wasser brauchen, da sie ja erstmal keine Blätter mehr haben. Je mehr Blätter sie bekommen, desto mehr Wasser verbrauchen sie.
An den Augen werden sich schnell neue Triebe bilden und die Pflanze wird buschiger wachsen, als im Vorjahr. Wenn alles normal verläuft, blühen die überwinterten Chilis schon im März und tragen im April bereits Früchte.

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